Achtsamkeit / RANT

Die ewige Hassliebe. Influencer-Marketing, Content-Kopie, Follower-Kauf, Aufmerksamkeit um jeden Preis.

#allisnotgoldwhatglitters

Social-Media, Instagram, Marketing, Darstellung und das Ganze drum und dran. Wenn ich durch meinen Instagram-Feed scrolle, kommen mir diese Gedanken immer wieder. – Nicht täglich. – Aber immer wieder. Schlussendlich muss man seine Filterblase so gestalten, dass diese Gedanken nicht überhandnehmen. Logisch! Ich bin dort, weil es mir zum größten Teil etwas bringt. Wie überall gibt es auch die Schattenseiten. – Schattenseiten die ganze Foren füllen. – Ein Unbehagen, was viele Menschen zu beschäftigen scheint.

Was ist Influencer-Marketing? Wie authentisch ist Werbung, die nicht nach Werbung aussehen soll?

Das sogenannte „Influencer-Marketing“ soll für den Konsumenten nicht wie Werbung aussehen. Im Idealfall werden Produkte so „authentisch“ wie möglich angepriesen. Dass dafür Geld bezahlt wird, erfährt man bestenfalls durch eine Bildunterschrift „Bezahlte Kooperation mit …“, die bei sozialen Medien Pflicht ist, um Schleichwerbung zu verhindern. Durch diese Form des Marketings nehmen Influencer pro Posting oft mehrere tausend Euro ein.

Aber nicht immer bedeutet „Bezahlte Kooperation“ ein Honorar. – Oftmals ist es (nur) eine Sachleistung. Auch genannt: „Pr-Sample„. – Die Pr-Sample Werbung, trifft man eher (aber nicht nur) bei den Instagrammer an, die weniger Follower haben (ca.  2000 bis 10.000 Follower).

Authentizität und Persönlichkeit verschwindet. – Dafür verkauft man sein Privatleben, Kinder, und Meinung für Werbung.

Wenn ich Influencer beobachte, sehe ich sehr oft, dass für die üblichen Marken wie: H&M, Zara, Mango, Ikea & co. – Werbung (durch Markenerkennung) betrieben wird, gleichzeitig werden aber auch Öko Marken wie: Bisgaard, Hessnatur, Engel, Ostheimer und sämtliche Conscious Kollektionen, beworben. – Das passt einfach nicht. Gestern noch für Nestlé und Amazon geworben. Einen Tag später ist man „schon immer“ nachhaltig gewesen. – Produktplatzierung ist nicht schwer. Zu jedem Produkt, fällt einem eine Anekdote und positive Bewertung ein. – Das ist keine Schwierigkeit. – Am Ende des Tages frage ich mich: Wie glaubwürdig ist das noch? Wie glaubwürdig ist diese Person. Wie viel von dieser Person ist echt? Dass das Image und die wirkliche Persönlichkeit, immer weiter auseinander gehen, wird immer mehr klar. Man könnt es als professionell bezeichnen, oder als professionelle Verschleierung.

Unternehmen, oder Kooperationspartner achten auf Followerzahler.

Follower lassen sich heutzutage auch kaufen. Siehe: Ab 4,99€ Instagram Follower | Sicher & diskret – Man könnte meinen, dass viele Influencer aufgrund ihres Mehrwertes bekannt geworden sind. Schaut man aber mal bei Social Blade (YouTube, Twitch, Twitter, & Instagram Statistics) vorbei, spricht die Statistik für sich. – Siehe: Fake Instagram: Follower kaufen & Like-Bots

Positiv und Negativ. – Alles hat seine Vor- und Nachteile.

Ich schaue keine Werbung im Fernseher, ich schalte sie konsequent weg. Ich möchte keine ungefragte Anregung zum Kaufen erhalten. Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Wieso sollte ich das im Internet gut finden? – Ständig Produkte unter die Nase gehalten zu bekommen? – Von Add-Wash Waschmaschinen, Reisen die sämtlichen Bezug zur Realität verloren haben,  bis Gewinnspiel XY.

Das Hinterhältige an dem Instagram Marketing ist, dass es durch die Blume geschieht. Mittlerweile muss zwar ordentlich gekennzeichnet werden. (Die Grauzone des Kennzeichnens, ist dennoch weiterhin offen.) Influencer denken, dass sie generell vertrauenswürdig sind, um somit jedes Produkt an ihre Follower bringen können. Denn „ihre Meinung“ sei ja ehrlich. – Stop, ehrlich?! – #selbstgekauft mag ehrlich sein. Aber gezielte Werbung, wofür es ein Honorar gibt, wird spätestens dann unehrlich, wenn es wahllose Werbung ist, die nicht in das Gesamtbild des Influencers, oder Blog passt. – Jeden Tag wartet eine neue Überraschung. – Es ist völlig legitim, wenn man sich dafür entschieden hat, durch wahllose Werbung seinen Unterhalt zu verdienen. – Authentisch ist es dennoch nicht, und das meine ich mit: Persönlichkeit und Authentizität geht verloren. – War sie jemals vorhanden? – Ja, ich denke schon. Einige wenige Influencer sind sich treu geblieben.  Neben der ganzen Kritik. Gibt es natürlich auch positive Effekte, des neuen Internet Marketings.

  • Es ermöglicht ökologischen, und lokalen Unternehmen, die Reichweite durch Influencer zu erweitern. Man profitiert also von einander.
  • Es wird Licht in’s dunkle gebracht. – Konsumenten können Produkte besser einschätzen, durch Erfahrungsberichte von Bloggern und Instagrammern.
  • Es ermöglicht vielen eine Selbstständigkeit aufzubauen.

Authentizität und Persönlichkeit auf Teufel komm raus, ohne kreierte Individualität keine Follower.

Hauptsache anders. Hauptsache einfallsreiche und künstlerische Bilder im Feed. Dank App-Überflutung im Google Play Store, ist heute alles möglich. Für alles gibt es eine Vorlage.  – Schon vor dem kochen, denkt die halbe Welt darüber nach, wie sie das Essen anrichtet, damit es schmackhaft aussieht.  Wie es im Instagram-Feed aussieht. Passt es zu den restlichen Bildern? Flat-Lays sind schon zum Automatismus geworden. – Ja, ich habe auch ein Auge für schöne Dinge. – Natürlich folge ich verschiedenen Accounts, die auf den ersten Blick perfekt aussehen. Die zufällig inszeniert sind. Doch gleichermaßen bin ich sehr müde geworden.

Auch ich bin auf der Suche nach stetiger Inspiration. – Kleidung, Essen, Reisen, Gedanken. Auch ich inszeniere. Bestimmte Dinge, sehen so einfach ästhetischer aus. Das ist eine Fotografen-Krankheit. – Aber wieso, macht es sich mittlerweile jeder, zur Aufgabe alles zu inszenieren und so zu fotografieren? – Es wird immer mehr zum Einheitsbrei.  Statt Authentizität und Persönlichkeit, entsteht genau das Gegenteil. – Wenn die Authentizität, nicht mehr durch Bilder sichtbar wird, dann sind es die Bildunterschriften. – Dort findet man die gläsernen Menschen. (Die gläserne Mutter – emilundida)

Instagrammer, sind die neuen Blogger. Zwischen stündlicher Belanglosigkeit in den Storys – und in den Bildunterschriften, in denen jedes Detail, die Öffentlichkeit getragen wird. – Tabuthemen sind der neue Content. – Und oftmals denke ich: Wieso. – Wieso passiert das in diesem Rahmen? – Muss man heutzutage verletzliche Details preisgeben, damit es Anerkennung, Likes, Zuspruch, und Hilfe gibt? Anerkennung durch brutale Ehrlichkeit? – Ist es eine Art Selbst-Therapie? Der einzige Weg, noch gesehen und verstanden zu werden? Siehe „Ich war süchtig nach Likes“ WOMAN.AT  (Das perfekte Social-Media-Leben) – (Unsere Gier nach Likes und Follower) (Wie viele Likes bin ich wert? | NZZ)

Generation „Copy-Paste“  – Der Unterschied zwischen Inspiration und Plagiat/Content-Klau, gibt es den?  Inspiration oder Plagiat? Ein Drahtseilakt. – kwerfeldein

 

Gebot Nr. 1 – Keine kritischen Stimmen, sonst wird Löschtaste gezückt.

Natürlich ist es weise nach dem Motto: „Leben und Leben lassen“ zu leben. Jeder der sich durch diese Theorien, oder Analysen angegriffen fühlt, wird das jetzt sagen wollen. – So what, lasse doch, that’s life, freie Marktwirtschaft. – Hast du nichts anderes zu tun? – Fokussiere dich, auf dich Selbst. Kümmere dich um dich, nicht um andere. – Believe me, i do!

Aber, das ist doch genau der Egoismus, von dem ich spreche. Jeder kümmert sich nur noch um sich. – Ohne Rücksicht. Gegenteiliger Meinung sein, heißt heutzutage, dass man sich persönlich angegriffen fühlt. – Jegliche Kritik auf sämtlichen Social-Media Seiten wird sofort gelöscht.

Kritikfähigkeit ist die Kunst, Feedback anzunehmen. Klingt doch gar nicht mal so schwierig, oder? Das liegt unter anderem auch daran, dass ich das Wort „Kritik“ gerade durch „Feedback“ ausgetauscht habe – ein kleiner psychologischer Trick mit großer Wirkung.“ – Kritik 

Jeder hat plötzlich eine Persönlichkeitsentwicklung hinter sich, und eliminiert nun jegliche Kritik. – Ist auf sich fokussiert. – Reinigt sein Umfeld.  Betreibt Psychohygiene. – Ist immer dabei sich selbst zu optimieren.

 

„Hin und wieder verschlägt es mich in die Kommentarspalten bekannter, nein, sagen wir berühmter, Health Coaches, oder wie die sich halt so nennen, und dann wird mir postwendend klar, dass das Stadium meiner Persönlichkeitsentwicklung irgendwo im Minusbereich anzusiedeln ist, denn ich empfinde eine kleine, feine Wut in mir aufkommen und die ist ein negatives Gefühl und somit bekanntlich das beste Indiz dafür, dass es viel zu tun gibt. Zu tun gäbe, denn nein, ich werde den Onlinekurs, die Podcastserie, das Buch etc. nicht kaufen. Ich ersticke jede Hoffnung auf spiritual growth, die das endlose Universum mir vor die Füße legt im Keim, entscheide mich für die dunkle Seite und rege mich stattdessen auf. Über die Lüge der unbegrenzten Möglichkeiten. Über den mahnenden Zeigefinger und die harte Kandarre im Wellnesspelz. Über die kapitalistische Ausbeutung traumatisierter Seelen, deren Schmerz sich genau dort, in jenen Kommentarspalten, offenbart. Wo (und ich habe wirklich lange gesucht) keine kritischen Stimmen zu lesen sind, sondern stattdessen eine fast religiöse Vergötterung der selbsternannten Heilsbringer*innen und, das ist noch schlimmer, immer wieder das Beichten von Scheitern im Entwicklungsprozess und das Versprechen, noch härter an sich arbeiten zu wollen. Das Hamsterrad des Besserwerdens hat sich von unseren Körpern abgewendet, seit #bodypositivity „in“ ist (na, immerhin), ist nun die Seele dran. Hol alles aus dir raus, das Glück, die Liebe, den Erfolg, das Universum gibt dir alles, was du willst, du musst nur noch ein wenig besser werden. Und, natürlich, den Onlinekurs kaufen.“ – Zitat von mama.ante.portas

 

Wer nichts zu verlieren hat, hat keine Angst. – Keine Angst eine Meinung zu haben.

Sich nicht damit auseinandersetzen und sich (nur) im sich kümmern. Das erspart viel Energie, Gedanken, und Konflikte. – Dann ist da eben noch dieser innere Konflikt. – Hinschauen, oder wegschauen. Teil dieser Bewegung sein, oder kein Teil sein. Sich irgendwie durchschlängeln, mal wegschauen, mal hinschauen. – Den Mittelweg finden, oder auch nicht.

Ich weiß, dass ich mir damit wohl möglich einige Türen (Einnahmequellen und Sachleistungen) zu schlage, aber ich gehe lieber an die Supermarktkasse (symbolisch gemeint), als mich, meine Seele, mein Privatleben und das meiner Kinder, oder meine unabhängige Meinung, für zweifelhafte Produkte und Firmen zu verkaufen. – Es wird von Verantwortung geredet. Verantwortung die man als Blogger hat, wenn man Texte veröffentlicht. Ich denke, mit dieser Art von Verantwortung, kann es nicht weit her sein, wenn alle schweigen.

Schweigen ist ein gutes Stichwort. – Geschwiegen wird oft. Gerade wenn ein Mandat, eine Existenz, Erfolg, oder ein Image davon abhängt.  Wenige brechen das Schweigen. Ganz aktuell, tat es Per Metersacker (Ehemaliger Spieler bei Arsenal FC): „Es ist schlimm, wie wir Spieler in diesem System opfern“ – Erst nach der Karriere, befürchtet man keine Konsequenzen mehr. – Vorher schweigt man lieber, und hält aus. – Es hängt einfach zu viel davon ab. Die Angst etwas zu verlieren ist zu groß. – Doch, wer nichts zu verlieren hat, hat keine Angst. – Keine Angst eine Meinung zu haben. – Lohnt es sich, sich eine Welt aufzubauen, in der man nicht mehr ehrlich sein kann. – Weil Verträge und Honorar davon abhängen?

 

Schluss

Im ersten Fall ist Kritik nur Vorwand, im zweiten die Chance, Gehör zu finden. Heisst es. –  Meine halbwegs konstruktive Kritik, Analyse, oder auch der innerer Konflikt, möchte wie immer einladen zum: mitdenken, weiterdenken, überdenken. – Zur Achtsamkeit zurückführen. Auf deutsch gesagt: Die elendige Moralkeule.

Denn manchmal möchte ich einfach das ganze Internet löschen. – Echte Communitys, mit Menschen zum anfassen reaktivieren. – Anstatt sich auf Followerzahlen, Likes, und brutale Ehrlichkeit als Content Creator zu reduzieren.

PS: Ja, ein Blog kann nicht von Luft und Liebe leben. – Der Server, die Domain, die Zeit will bezahlt werden. Auch ich werde weiterhin Werbung machen. – Sobald es sich nicht mehr richtig anfühlt, hört es auf.

 

OM  – & B I S  B A L D!

#makeinstagramgreatagain

 

Weiterführende Links:

Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse Nasim Nicholas Taleb hat mit seinem Buch „Der Schwarze Schwan“ das Denken vieler Menschen verändert. Das gilt auch für mein Denken. Meine wichtigste Erkenntnis war wohl diese: Nahezu alles, was im sozialen Leben wirklich wichtig ist, wird durch seltene, unvorhersehbare Ereignisse bestimmt, die folgenschwer sind und unsere Entwicklung massiv – positiv oder negativ – beeinflussen. Bei allem Respekt für die Eigenverantwortung im Leben und bei allem Glauben daran, dass wir unseres Glückes Schmied sind, so erhält nach all den jahrzehntelangen Irrwegen des positiven Denkens das Prinzip Zufall eine neue Bedeutung. Glück und Pech ziehen sich durch unser Leben mit großer Selbstverständlichkeit und hoher Wirkung. Wir können wirklich alles tun, was zu einem erfolgreichen Leben gehört; aber all das Streben, all die Übung, all der Glaube, sie alle sind eine notwendige Basis, ohne die wir uns im Niemandsland auflösen würden, aber sie sind keine Garantie, je aus dem Zwergenland zu entfliehen und zu den wirklich Erfolgreichen aufzusteigen. – Die Entzauberung der Zauberformeln zum Erfolg – Heinz Peter Wallner

Catarina Katzer, Sozialpsychologin und Volkswirtschafterin, hat ein Buch darüber geschrieben, wie das Leben im Netz uns verändert. In „Cyberpsychologie“ warnt sie unter anderem vor Ich-Kultur und Selbstobsession. „Wir vergleichen uns eigentlich ständig mit anderen, mit Menschen, die uns umgeben, um uns selbst einordnen zu können und so unser Selbstbild zu prägen. – Catarina Katzer: „Cyberpsychologie. Leben im Netz“

Eine „Internet-Komfortzone“ sei für erhebliche Probleme mancher Patienten in Schule und Elternhaus mit verantwortlich, sagt Hillert. Die Jugendlichen seien daran gewöhnt, ihre Bedürfnisse schnell und ohne Umschweife befriedigen zu können: Erfolge in Rollenspielen haben, einkaufen, Kontakte pflegen und sich selbst darstellen zum Beispiel. „Soziale Netzwerke suggerieren, irgendwo eingebunden zu sein“, sagt Hillert. An Erfahrungen aus realen Gruppen wie dem Sportverein, wo es auch mal Reibungen gibt, mangele es hingegen in diesen Biografien. Hillert erzählt von jungen Erwachsenen mit hohem narzisstischen Anspruch – sie wollen etwas ganz Besonderes sein – und einer sehr geringen Frustrationstoleranz. – Die Gefahren von Selfie-Manie & Co.

„Stell dir vor, du machst Instagram auf und bist unglücklich. Nicht weil die Mädels dort alle dünn gephotshopped (so bored!) und sowieso gerade auf Bali sind oder ihre Stadtviertel mit der Kohle aus dem letzten NAKD-Haul gentrifizieren, nicht weil die Matcha Latte im Highball Glass haben und du nur Filterkaffee aus der Tasse mit dem Blumenprint, nicht weil sie tanned und du müde bist, nicht mal so sehr, weil sie gleich zur Shavasana lesson und du in die U-bahn musst. Sondern weil sie es dir sagen. Weil sie dir Glück vordefinieren. Alle zusammen. Wir alle zusammen. Und diese schönen, täglichen Theorien irgendwie so gar nichts mehr mit der Realität – oder deinem Alltag zu tun haben. Das ist jetzt nicht neu. Aber der Zwang und Druck dahinter, der sich längst über Looks, Styles, unser Body Image, Ernährungsweise oder Reiseplanung hinweggesetzt hat, der hat neue Ausmaße angenommen.“ – Lina Mallon in SELFCARE: ENDLICH (UN)GLÜCKLICH DANK INSTAGRAM!