Tandemstillen und sanftes Abstillen, wenn ein Geschwisterkind geboren wird.

Stillbeziehung bleibt Stillbeziehung, auch wenn ein Geschwisterkind geboren wird.

Für mich war schon immer klar, dass ich Stillen möchte. Das war und ist eine Entscheidung aus vollem Herzen heraus, die auch von meinem Mann getragen wird. Ein sehr wichtiger Punkt (meiner Ansicht nach) um erfolgreich, und lange Stillen zu können. Das Umfeld ist gar nicht so unbedeutend, als man manchmal meinen mag. – Wie lang, es dann im Endeffekt andauern wird, das mag jeder selbst bestimmen. Die Dauer ist nicht all zu selten, viel länger, als man sich das je ausgemalt hätte. Und an dieser Stelle mag ich auch keine Zahlen nennen. Spielt das eine Rolle? Meine persönlichen Grenzen wurden erreicht, und ich habe den Weg des sanften Abstillens gewählt, viel mehr den Weg des Reduzierens, um mich auch mal erholen zu können.

Das sanfte Abstillen des größeren Geschwisterkindes, ausgelöst durch eine weitere Schwangerschaft (des dritten Kindes).

Abstillen kann man es nicht mal unbedingt nennen, denn wir Stillen bis heute noch zum Einschlafen. Deshalb kann man meine Methode, eher so nennen: Auf’s Minimalste reduziert, sodass es für alle angenehm bleibt. Eine Beziehung, auch eine Stillbeziehung impliziert, dass man Kompromisse schließt und, dass es zu jederzeit für alle Beteiligten angenehm bleibt. Denn: Ich muss mich nicht komplett vergessen, nur meiner (oder bestimmter) Ideale wegen.

Stillen in der Schwangerschaft und Stillen ohne Milch (trocken Stillen)

War für mich, natürlich auch ein unbekanntes Gebiet. Bis zum Tag X. Die Milch wurde immer weniger, und weniger, aufgrund der Schwangerschaft (ca 5. SSM), bis sie ganz weg blieb. Mein gestilltes Kind, war zu der Zeit knapp 2 Jahre alt. Es wurde also bis dahin (regelmäßg) gestillt. – Dass die Milch ausblieb, war für uns beide kein Problem, denn Stillen ist weitaus mehr als Nahrung und das bekam ich damit mehr als bestätigt! – Keine Milch mehr, dazu noch brennende Brüste. Ein Gefühl, an das ich mich irgendwann gewöhnt hatte. Das alleine, war es mir nicht wert, die Stillbeziehung komplett abzubrechen. Auch wenn ich manchmal geflucht habe wie ein Rohrspatz. Ich wusste: Es wird ein Ende haben. Ich sagte mir: Ich genieße jetzt, noch einmal die Exklusivzeit mit meinem Kind, bis das Geschwisterkind unsere ganze Routine durcheinander werfen wird. Unsere Zweisamkeit (im positiven Sinne) durchbrechen wird. Ich lasse es wie es ist. Ich versuche es vielleicht etwas zu reduzieren. Ich ziehe mich nicht mehr so freizügig an, vielleicht sogar gezielt einen Pullover. – Ich biete etwas anderes zum trinken an, wenn es tatsächlich der Durst ist. Stillen zur Beruhigung werde ich nicht verweigern, das kann ich nicht. Mein Herz kann das nicht.

Und es gab 1000 Momente wo ich dachte: Ob das funktionieren wird? Wie lange wird es dauern? Halte ich das durch? Und: Ich war konsequent. Konsequent reduzierend. Ich möchte das jetzt nicht mehr 24/7 und das ist OK so!

Wie von alleine und in nur wenigen Wochen, reduzierte sich alles: 1. Auf Ausnahmen am Tag 2. abendliches (Einschlaf)Stillen. – Kein 10 Tage Plan XY. Keine „harte Tour“. – Es gabe keine Tränen, kein Gejammer. Es entwickelte sich ein natürlicher Prozess, den ich etwas angestupst habe. Groß werden. Die Mama los lassen. Freiraum lassen. Co-existieren in Frieden. Bruder werden. Großer Bruder werden. Die Welt entdecken. Kompromisse finden, anstatt abruptes abbrechen einer Beziehung die mir wichtig ist.

 

MÖGLICHE TO DO LISTE: STILLEN REDUZIEREN

  1. Etwas zu trinken anbieten, wenn das Kind wirklich durst hat, anstatt die Brust zu geben. Das könnte auch als Alternative für das Einschlafstillen funktionieren. Ein schöner warmer Tee o.A. Wenn es nicht angenommen wird: Natürlich nicht einfach durchsetzen. Mein Prinzip: Neuer Tag, neue Chance. Es muss nicht HEUTE klappen.
  2. Am Tag: Nicht so offenherzig und frei zugänglich bekleiden. Logisch? War für mich nicht so logisch, bis mich jemand darauf aufmerksam machte. Mein Fazit: Es funktionierte.
  3. „Nein, ich möchte das jetzt nicht.“ –  sagen ist erlaubt. Nähe muss nicht immer gleich Brust bedeuten. Nähe kann auch anders geschehen. (Mir fällt es schwer das zu schreiben. Es gibt aber ein aber – und zwar das Ziel: Sanftes Abstillen, oder reduzieren.)
  4. Flexibel bleiben. Mit deinem Kind in Verbindung bleiben.

 

Tandemstillen nach der Geburt des Geschwisterkindes

Ich fragte mich: Wie soll das funktionieren? Also: Zwei Kinder gleichzeitig? Das mehrmals am Tag? Es funktionierte einfach. Ich brach die Zweifel und Gedanken darum einfach ab. Ich lies es einfach zu. Und es war perfekt. Tandemstillen kann ein echter Segen sein, gerade im Wochenbett, wenn die Milch zu viel ist. Das Baby seinen Schönheitsschlaf hält und alles zu explodieren scheint. Auch das Nachfrage und Angebot Problem, löste sich einfach in Luft auf. Pufff… Es gab genug für zehn Kinder, nicht ein Kind musste verhungern! Wahnsinn. Selbst wenn die Milch zu wenig ist, hilft das Geschwisterkind das Angebot zu steigern. – Ein Segen, sagte ich doch. Der Gang zur Apotheke, oder der Kauf einer Milchpumpe? Überflüssig.

Das anfängliche reduzieren, wurde bei uns, im Wochenbett etwas vernachlässigt. ABER, das war gut so. Flexibel bleiben ist das Stichwort! Ein neues Geschwisterkind bedeutet so viel.

Es braucht nur Entschlossenheit (Konsequenz) der Rest kommt von ganz allein, und wie das immer so ist: Man malt sich vorher, immer alles ganz anders aus, als es dann wirklich ist. Kein Stress, kein Plan. Ein Ziel, welches individuelle Lösungen hat. So Individuell wie jede Stillbeziehung ist, so individuell ist der Weg.

Anmerkung: Mein Kind war zu diesem Zeitpunkt 2 Jahre alt. Kindern unter 2 Jahren, würde ich das ungern zumuten und hätte es wohl möglich auch nicht getan. Mit diesem Beitrag möchte Anreize geben, für Entschlossene, bevor es zu einer (Still)Beziehungskrise kommt. Denn eigentlich habe ich nicht abgestillt, ich bestehe auf die Eigenständigkeit, die sich natürlich entwickeln wird. Nur, manchmal braucht es dazu einen kleinen Stein, der die Dinge in’s Rollen bringt.

 

Wie lief das bei euch? Oder läuft es noch?

Weiterführende Links:

Das biologische Abstillalter
Mother Birth Blog: Selbstbestimmtes Abstillen – Mein ganz persönlicher Erfahrungsbericht
Mini and Me: Von der Nacht, in der wir doch nicht abstillten – mein Erfahrungsbericht
Von Guten Eltern: Darf die stillende Mutter auch mal raus hier?

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9 Kommentare

  1. Unsere Mittlere kam mit eins in die Krippe. Ich habe sie weiter gestillt. Morgens zum Aufstehen und direkt nach dem Abholen. Das war wunderbar um Geborgenheit/Sicherheit für alle zu geben. Es wurde dann mit der Zeit weniger. Ich denke ab zwei nur noch zum Einschlafen.
    Jetzt das dritte mit 8 Monaten noch vollgestillt. Hat noch kein Interesse am Essen.

  2. War bei uns ähnlich. Als ich mit unserem 3. Krümel schwanger wurde, war der mittlere 2. Ich habe ihn 12 Monate voll gestillt, weil er bis dahin Beikost ablehnte. Wir hatten eine sehr schöne Stillbeziehung und haben das beide immer sehr genossen. Als mir dann in der Schwangerschaft auch die Milch weg blieb und die Brüste schmerzten, haben wir nach und nach reduziert. Bis nur noch das Einschlafstillen blieb. Als Alternative bot ich immer etwas zu trinken an und das funktionierte auch. Irgendwann fragte ich dann beim zu Bett gehen, ob wir heute vielleicht einfach nur kuscheln wollten. Er war einverstanden, wollte dabei aber gerne seine Hand auf meine Brust legen. Das war ok für mich. Eine Zeitlang machte er dies noch, aber mittlerweile auch nicht mehr. Mit 2,5 hatten wir dann ganz sanft und in gemeinsamer Übereinkunft abgestillt. Selbst als dann sein Bruder auf die Welt kam, war da keine Eifersucht oder der Wunsch, wieder selbst an die Brust zu dürfen. Das hat mich selbst überrascht, aber ich bin sehr glücklich, dass alles so gelaufen ist.

  3. Herzlichen Dank für den Artikel. Ich scheue mich etwas, darüber zu schreiben, vor allem auf meinem eigenen Blog, da es doch sehr intim ist, was man da so erlebt… Aber ich möchte, weil es eines meiner aktuellsten Themen ist, und Du mir Mut machst, hier gerne einen Kommentar hinterlassen:

    Ich bin eine leidenschaftliche Still-Mami. Unser Sohn ist jetzt etwas über 3 Jahre. Im Sommer letzten Jahres bin ich schwanger geworden mit meinem zweiten Sohn, der in diesen Tagen endlich bei uns ankommen wird. So richtig, meine ich. 😉

    Stillen war für meinen Großen und mich immer pures Glück. Mit der Schwangerschaft hat sich das verändert. Die Hormone spielten verrückt und leider hat sich das nun auch die gesamte Schwangerschaft durchgezogen. Ich will ehrlich sein: Ich quäle mich seitdem. Im Sommer war unser Großer nahezu abgestillt, von sich aus, heute, so kurz vor der Geburt des zweiten Sohnes, stillt er wieder sehr viel und oft. Auch nachts. Wir haben sehr viele Nächte hinter uns, in denen wir beide geweint haben und, ja, man könnte es so formulieren, verzweifelt waren. Ich kann es ihm aber einfach nicht nehmen. Ich bringe es nicht übers Herz. Ein Versuch neulich hat dazu geführt, dass mein Sohn hyperventilierend und schweißgebadet neben mir lag, bis ich eben doch mein Oberteil lüftete.

    Ich bin voller Hoffnung, dass es durch die Geburt des zweiten Kindes sich endlich wieder einpendelt. Die Hormonumstellung bewirkt, dass die Schmerzen beim Stillen nachlassen und wir es so richtig genießen können, alle zu stillen.

    Danke für diesen Artikel! Deine Jenn

    1. Die Schmerzen lassen nach! Keine Sorge! Und ich bin guter Hoffnung, dass dein Kind versteht, dass das Geschwisterkind jetzt die Milch etwas dringener benötigt (am Tag). Vielleicht bekommt ihr ja auch einen Kompromiss hin, der für alle gut passt. <3

  4. Liebe Aline,

    ich habe das Tandemstillen im Wochenbett auch immer als Segen empfunden. Gerade im letzten Wochenbett wäre die massive Brustentzündung sicherlich ein Fall fürs KH geworden, wenn meine Tochter nicht mitgetrunken hätte (Aussage der Hebamme).

    Ich finde es toll, wie ihr euren ganz individuellen Weg gefunden habt, der zu eurer Stillbeziehung passt.
    Meine Tochter still auch schon in den Abbstillprozess eingetreten. Ich glaube ihr ist das noch gar nicht so bewusst, aber mir. Ich kenne die Zeichen ja schon von ihrem Bruder. Es wird sicherlich noch dauern, aber es hat schon begonnen…

    Liebe Grüße
    Andrea

  5. Unsere Tochter war gut zwei Jahre alt, als ich wieder schwanger wurde. Ich stillte die Schwangerschaft durch, auch wenn ich jedes Mal höllische Schmerzen hatte und sie plötzlich wieder mehr stillte als früher. Aber ich wollte ihr das Stillen nicht „plötzlich“ nehmen, erst recht nicht mit dem Wissen, dass demnächst noch größere Veränderungen anstehen.
    Nach der Geburt unseres Sohnes wollte ich tandemstillen, aber das funktionierte nicht – zumindest nicht so, wie man sich das vorstellt. Unsere Tochter akzeptierte nicht, dass das Baby gleichzeitig mit ihr stillt. Also habe ich beide Kinder immer nacheinander gestillt, wobei unsere Tochter viel häufiger und länger stillen wollte, konnte und musste. Obwohl es mich im Wochenbett unendlich angestrengt hat und ich mich zum ersten Mal in der Stillbeziehung „ausgesaugt“ fühlte, traute ich mich nicht, es zu reduzieren. Zu viel Angst hatte ich davor, dass dann die Eifersucht überhand nehmen würde und es noch mehr Schwierigkeiten geben würde als ohnehin schon.
    Inzwischen hat sich alles ein wenig eingependelt, unsere Tochter stillt wieder etwas weniger, aber bei weitem nicht so wenig wie mit zwei Jahren (sie ist jetzt deutlich über drei). Das Baby stillt mit seinen bald sechs Monaten bislang ohne Interesse an Beikost vor sich hin. Und ich habe trotzdem oft genug Panik, dass ich die nächsten sechs Jahre noch in diesem Rhythmus stille, obwohl es mich anstrengt und meinen Rücken beansprucht. Weil ich selber kein Rückgrat habe, den Kindern etwas zu nehmen, was so bedeutungsvoll ist.
    Ein Abstillen sehe ich hier noch so gar nicht…..

    Herzliche Grüße
    Ines

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