Nudeln auf dem Sofa. – Von Tischmanieren und Essgewohnheiten.

Nudeln auf dem Sofa?

Wohl eher, das nicht vorhandene Sofa. Weil wir derzeit umziehen, misten wir ordentlich aus. Kissen für den Boden sind aber sowieso kinderfreundlicher. Ein Überwurf, oder ein abwischbares Sofa, wären es noch mehr. Das hätte man mir aber mal zu der Zeit sagen sollen, als ich noch nicht ahnen konnte, was da auf mich zu kommt. Nach fast 4 Jahren, ist das Sofa nun so dreckig, dass es auf den Müll konnte.

wischen, lächeln, weitermachen…

„Ellebogen vom Tisch…“ – „Füße runter…“ – „Setz dich gerade hin…“ – „Schmatz nicht so..“ – „So isst man nicht..“ – „Pass auf, das Glas fällt gleich runter…“ – „So eine Sauerei immer…“ – „Pfui…“  – „Komm, ich zeige dir wie man das richtig macht“ – Diese Sätze kommen uns allen sehr bekannt vor, einige davon rutschen mir auch oft raus. Aber pscht! Manchmal muss ich dann über mich selbst lachen. Sage mir: Sei nicht so. Die „Manieren“ kommen von ganz allein, denn ich bin Vorbild. Wer seine Kindern sein lässt, lernen lässt, fehler machen lässt. Wird früher oder später feststellen, dass es den Ärger über den Dreck nicht wert war. Ich habe lieber Dreck auf dem Tisch und Boden, als starre Erziehungskonstrukte (wo es sich sicher lohnt, diese zu hinterfragen) und fein pürierten Babberschmatz.

Die Großeltern würde es schütteln, wenn sie unsere Essgewohnheiten kennen würden. Bei uns wird gegessen, wenn der Hunger da ist, nicht weil die Uhr 08.00, 12.00 oder 18.00 Uhr schlägt. Es wird gegessen, so groß oder klein wie der Hunger sein mag. Es wird gegessen, was vorher demokratisch abgestimmt wurde. Es wird vor allem da gegessen, wo es einem gerade beliebt. Mal am Tisch zusammen, mal auf dem Boden. Der Boden ist eben einfach praktisch. Manche Kulturen haben sogar gar keine Tische. Wahnsinn oder?! Tischmanieren sind also hinfällig. Es zählt: Das zusammen sein. Wenn der Hunger in dem Moment nicht groß genug ist, wieso muss man sich dann nur aus Anstand alles hereinzwängen? Zwänge. Aus Zwängen soll gutes Verhalten resultieren? Ich bezweifle das.

„Ich bewundere deine Gelassenheit“ – Ja, die kam auch bei mir nicht über Nacht. Ich musste mich ernsthaft fragen, was bringt es mir, wenn ich mich selbst ständig deshalb aufreibe?! Nicht viel. Ein Haushalt mit Kindern bedeutet nun mal organisiertes Chaos.

: Mal eine Frage an die Mütter mit den super aufgeräumten und sauberen Häusern: wo genau wohnen eure Familien?

Befrei dich von Zwängen.

Bis bald.

Weiterführende Links:

Lisa von Geborgen & Geliebt beschreibt Warum sie auf Tischmanieren verzichten

Aida S. de Rodriguez „Mit Essen spielt man nicht!“ – Warum Verschwendung für Kinder doch wichtig ist.

6 Kommentare

  1. Hehe, dabei aind die Kinder meist die Operspießer…pünltlich um sieben, um eins, um sechs: „Hungär!“
    Nicht immer. Aber meistens.
    Aber man muss halt flexibel bleiben. Manchmal kommt es anders oder was dazwischen. Dann machts ja keinen Sinn an den Essenszeiten festzuhalten.

  2. Hm, Essen und Tischmanieren sind tatsächlich der Bereich, in dem mein „Kinder aufziehen“ am ehesten der konservativen Erziehung der eigenen (Groß-)Eltern entspricht. Nicht, weil man „das so macht“ oder ich jemanden etwas beweisen muss, sondern weil ich mich mit chaotischen Mahlzeiten echt unwohl fühle. Ich mag es nicht laut und wuselig, ich spüre wie mich das stresst und ich wünsche mir, das wir zusammen sitzen und uns gegenseitig vom Tag erzählen. Niemand muss essen, wenn er nicht mag – aber wenn man Essen möchte, dann mit den anderen am Tisch und nicht verteilt durch die Wohnung, mit vollem Mund auf dem Bett hüpfend oder kreischend um den Tisch rennend. Meine Tochter erklärt das tatsächlich auch Besuchskindern so:“ Beim Essen ist meine Mama streng, da kann sie Chaos nicht leiden!“😂 Aber es klappt recht gut und ich verbuche das einfach unter Bedürfnisorientiert – in diesmal Fall orientiert sich die Familie halt an meinem Befürfnis, ich mich dafür anderswo an dem der Anderen.😬

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.